About

Moritz Koch

Moritz Koch (1997) is studying in the Solo Class of HfMT Cologne from October 2021 with Dirk Rothbrust and Carlos Tarcha. In 2020/21 he was stipend of the Ensemble Modern.

 He is working regularly with internationally known Ensembles as Ensemble MusikFabrik, Ensemble Modern, Ensemble Handwerk, Ensemble Tempus Konnex and many others. His concert activities range from jazz drums/percussion to opera productions at the Wiesbaden State Theatre, the Bremen Philharmonic and Deutsche Oper Düsseldorf. For several years, he has focused mainly on contemporary music and ensemble playing, and on working with composers of our times. Concert tours in this field have taken him to Israel, Thailand, China, Brazil, Poland, Denmark, the Netherlands and multiple places in Austria and Germany. Lately he produced CD recordings for NEOS and Kreuzberg Records.

He finished his Masters Degree with best grade under Rainer Römer at the Frankfurt am Main Academy of Music and Performing Arts. From 2015-2019 he studied classical percussion with Olaf Tzschoppe at the Bremen Academy of Arts.

Interview mit Dr. phil. Doris Kösterke

erschienen in der FAZ am 10.12.21

 

Gespräch mit dem Schlagzeuger Moritz Koch

 

https://www.faz.net/-gzk-aiv56

Frankfurt/Köln

„Sobald ich sage, wo ich meinen Master gemacht habe, öffnen sich Türen“, sagt Moritz Koch. Der 1997 geborene Schlagzeuger war 2020/21 Stipendiat der Internationalen Ensemble Modern Akademie (IEMA) und hat diesen Studiengang an der Frankfurter Hochschule für Musik und Darstellende Kunst mit der Bestnote abgeschlossen. Nun setzt er an der Kölner Musikhochschule noch ein Solistenstudium bei Dirk Rothbrust und Carlos Tarcha drauf. Parallel arbeitet er mit verschiedenen freien Ensembles in vielen freien Projekten, etwa mit der MusikFabrik (Köln), dem Ensemble S201(Essen), Tempus Konnex (Leipzig) „und nächste Woche spiel ich mit „Handwerk“ – wenn es nicht ausfällt, wegen Corona“.Corona lag auch über seiner Zeit in der IEMA. Die Kontakte mit George Benjamin und Jonathan Stockhammer fanden überwiegend online statt. Auch die internationalen Begegnungen über das Ulysses-Netzwerk konnten nicht im geplanten Umfang stattfinden. Irgendwo in Europa nach einem gemeinsamen Konzert Auge in Auge mit einem neuen Kontakt ein Bier zu trinken und sich zu einem Projekt zusammenzufinden, war nur einmal gegeben, beim 180Grad Festival in Bulgarien. Aber nun, in der freien Arbeit, sprudeln die Kontakte: „Vor IEMA hätte ich gar nicht gedacht, dass es möglich ist, einfach frei zu spielen“, sagt er. „Den Mut zu freien Produktionen haben wir auf der rein praktischen Ebene vermittelt bekommen, indem wir ein Jahr genau dies gemacht haben: relativ frei unter uns zu proben, zu spielen und zu machen. Das Feedback vom Ensemble Modern hat uns vor allem ermutigt, ganz viel auszuprobieren. In jedem Fall hat es unsern Horizont noch erweitert. Nachdem ich diese Erfahrung gemacht habe, genieße ich es sehr, mit anderen MusikerInnen und KomponistInnen zusammenzuarbeiten: Wir wachsen aneinander“.

Klassischer Unterricht erst mit 16

Sein Weg zum Schlagzeug war zunächst nicht gerade. Zwar hat er von klein auf gern auf allem Möglichen herumgetrommelt. Aber mithin wohl aus legitimem akustischem Selbstschutz vermittelten seine Eltern ihm zunächst Gitarrenunterricht. „Später habe ich mir von erspartem Taschengeld aus der Zeitung ein Drum Set gekauft. Da bin ich dann richtig drin aufgegangen. Dann kam auch schon die Zeit von YouTube Tutorials und Ähnlichem, wo ich mir relativ viel selbst beigebracht habe. Klassischen Schlagzeug-Unterricht habe ich erst sehr spät, mit 16 bekommen“.

Über den Unterricht kam er zunächst ins Landes-Jugendorchester, dann zu regem Konzertieren, etwa mit den Bremer Philharmonikern. Dann an die Deutsche Oper Düsseldorf (jüngst wieder mit der Produktion „Trash“ von David Graham) oder 2020 für die Opernproduktion „Anna Nicole“ von Mark Anthony Turnage ans Staatstheater Wiesbaden. Und zwischendurch zum Bachelorstudium (2015-2019) bei Olaf Tzschoppe in Bremen, mit dem er noch immer auch im Bremer Schlagzeugensemble zusammen spielt. „Der hat mir die Welt der Kompositionen geöffnet, die sehr gerne rumprobieren, was man mit dem Schlagzeug alles machen kann. Das hat mir total Spaß gemacht, weil es da noch so viel zu entdecken gab und gibt. So bin ich dann auch nach Frankfurt zu Rainer Römer gegangen“.

„Finde, dass man manchmal Gegengewicht sein muss“

Eine feste Anstellung interessiert ihn bisher nicht. Denn die IEMA vermittelt nicht nur Handwerk, sondern auch das kritische Hinterfragen des eigenen künstlerischen Tuns: „Ich mach mir jeden Tag Gedanken über Kunst und Gesellschaft und finde, dass man manchmal Gegengewicht sein muss. In großen Ensembles hat sich schon wieder so etwas wie ein Mainstream herausgebildet. Den kann man in der freien Szene wieder aufrütteln“.

Man zeigt immer wieder, dass es auch anders geht

Kann zeitgenössische „ernste“ Musik die Welt verbessern? „Ja, auf jeden Fall! Man zeigt ja immer wieder, dass es auch anders geht, als es gemeinhin gemacht wird. Auch wenn die Ideen nicht direkt etwas verändern, kann man doch mit allem, was man macht, bei irgendjemandem im Kopf etwas anstoßen. Das hoffe ich zumindest“.

Moritz Koch erntet bereits die Früchte des IEMA Jahres. Inzwischen hat ein neuer Jahrgang seinen einjährigen Masterstudiengang begonnen. Er stellt sich am 12.12.2021 um 19:30 in seinem ersten Konzert in der Musikhochschule vor. Das man von jedem einzelnen Stipendiaten noch hören wird, scheint jetzt schon sicher.

DORIS KÖSTERKE
7.12.21